Hintertorperspektive e.V.

NO ISOLATION! Cup 2012

May 16th, 2012

noiso_smDass es in diesem Jahr leider kein Flutlicht Festival gibt, das wisst ihr längst – und ihr findet das sicher genauso zum Heulen wie wir. Aber zum Trost haben wir einen sehr schönen Ersatz für euch; zwei Nummern kleiner zwar als das Original, aber mindestens ebenso gut!

Am 26. Mai möchten wir gemeinsam mit euch tun, was wir am besten können: Fußball spielen, feiern und Geld für gute Sachen sammeln. Der NO ISOLATION! Cup 2012 ist eine Benefizveranstaltung für das Break Isolation Netzwerk. Diese von uns sehr geschätzte Initiative gibt Flüchtlingen in Deutschland eine Stimme und unterstützt sie in ihrem Kampf für humane Lebensbedingungen.

Zu Pfingsten solltet ihr deshalb eure bunte Sommertasche aus dem Schrank holen, ein paar Sachen einpacken und im Stadion vorbeikommen!

1. Fußballzeug: Wir kicken auf Kleinfeld, Teamstärke: 6+1, Soli-Startgebühr: 15 €. Am liebsten vorher anmelden via kontakt@hintertorperspektive.de oder facebook.com/hintertorperspektive.
2. Offene Ohren: für den interessanten Vortrag zur aktuellen Situation von Flüchtlingen in Thüringen
3. Tanzschuhe (barfuß geht auch): Musik wird live serviert von DJ Papa Boom (Rocksteady) und ZetKa (Techno)
4. Hunger: legendäre Burger und Grillspezialitäten gibts auch.
5. Kinder (am besten eigene, notfalls die vom Nachbarn): Wir fahren jede Menge Überraschungen auf!

Ist die Tasche voll, sehen wir uns am 26. Mai ab 10 Uhr am Fanprojekt Jena im Ernst-Abbe-Sportfeld. Wir freuen uns – kickt die Mauern aus den Köpfen!

Eure Hintertorperspektive

Die Aktion Fußballfans gegen Homophobie ist eine Initiative der Abteilung Aktive Fans des Fußballvereins Tennis Borussia Berlin und schickt in Kooperation mit dem Projekt Soccer Sound des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg ein Banner auf die Reise zu Vereinen, in Fankurven und zu Fußballprojekten in ganz Deutschland. Zum letzten Heimspiel des FC Carl Zeiss Jena gegen den SV Darmstadt 98 hing das Banner im Ernst-Abbe-Sportfeld um auch in Jena der im Stadion und darüber hinaus noch immer verbreiteten Homophobie eine Absage zu erteilen. Dazu wurde ein Artikel von uns gekürzt im ‘Bratwurstdealer’, dem Kurvenblatt der Horda Azzuro, veröffentlicht. Die ungekürzte Fassung soll hier dokumentiert werden.

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Als sich Oliver Bierhoff, seines Zeichens Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, am 25. März 2011 in einem Interview mit der Bildzeitung zu einer kurz zuvor ausgestrahlten Tatortfolge äußern sollte, konnte wahrscheinlich nichts Gutes dabei rauskommen. In der beliebten Serie werden bekanntlich häufig (zugegeben oft eher schlecht als recht) gesellschaftliche Probleme und aktuelle Diskussionen aufgegriffen. So ging es in besagter Folge um Homophobie im Fußballsport. Zu einer Szene, in der von Gerüchten über schwule Spieler in der Nationalmannschaft die Rede war, sah Bierhoff sich gezwungen, die Nationalelf vor dem Verdikt dort vorhandener Homosexualität zu schützen und redete somit der unter Fans, Spielern und Funktionären grassierenden Homophobie das Wort: „Ich finde es schade und ärgerlich, dass die Prominenz der Nationalelf missbraucht wird, um irgendein Thema zu entwickeln oder einen Scherz zu machen. Dieser Satz im ,Tatort’ hatte ja keine inhaltliche Relevanz. Das sehe ich immer auch als einen Angriff auf meine Familie – die Familie der Nationalelf. Und das ärgert mich.“ Um es noch mal hervorzuheben: Oliver Bierhoff wertet es als einen Angriff, wenn im Zusammenhang mit dem DFB-Team von Homosexualität die Rede ist. Nun mag der Einwand kommen, dass hier beim einstigen Golden-Goal-Schützen von Wembley auch die Wörter auf die Goldwaage gelegt werden, doch kann bei offiziellen DFB-Vertretern, wie dem einstigen Torjäger getrost davon ausgegangen werden, dass Printinterviews vor Veröffentlichung autorisiert werden müssen und seine Worte durchaus mit Bedacht formuliert sind.

Stadion und Gesellschaft

Ob sich derartige Äußerungen durch die vielen Kopfbälle während seiner erfolgreichen Karriere erklären lassen, soll hier nicht weiter interessieren. Fest steht jedenfalls, dass Oliver Bierhoff mit dieser Meinung im Fußball nicht allein dasteht. Das belegen nicht zuletzt Äußerungen zahlreicher aktiver und ehemaliger Bundesligaspieler, wie beispielsweise jene süffisante Bemerkung von Frank Rost, er dusche immer „mit dem Arsch zur Wand“ oder „Loddar“ Matthäus, der ernsthaft meinte, ein Schwuler könne keinen Fußball spielen.
Neben vielfachen ähnlich schwachsinnigen Aussagen von Spielern, Trainern und Offiziellen, von denen sich problemlos weitere anführen ließen, gehört, das wissen auch die regelmäßigen Südkurvenbesucher, Homophobie vor allem auf den Rängen zum guten Ton. Am Boden liegende Spieler und unbeliebte Schiedsrichter werden als „Schwuler“, gerne auch wahlweise „Schwule Sau“, „Tunte“, „Schwuchtel“ usw. bezeichnet, eine beliebte Beatles-Melodie wird abgewandelt in „XYZ ist Homosexuell“. Auch die gegnerischen Fans bezichtigt man auf Bannern und in Gesängen gerne pejorativ (also im abwertenden Sinne) der Homosexualität. Die ohnehin latent vorhandene Homophobie wird in der Anonymität der Masse lautstark herausgebrüllt.
Dabei trifft die ebenso inhaltsleere, wie totzitierte Floskel, das Stadion sei ein „Spiegelbild der Gesellschaft“ nur bedingt zu. Zwar belegen Statistiken, dass homophobe Ressentiments auch in der gemeinen Bevölkerung noch verbreitet sind (unter ca. 30% der Deutschen, Tendenz allerdings sinkend). Jedoch ist diesbezüglich eine positive Entwicklung zu verzeichnen. Während beispielsweise aktuell im Iran Homosexuelle öffentlich an Baukränen gehängt werden und Homosexualität in 75 von 195 Staaten der Welt strafrechtlich verfolgt wird, kam es in jüngerer Zeit vor allem in den westlichen Industrienationen zu einer erheblichen Liberalisierung. Dabei wurden gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen auch in der Nachkriegs-BRD noch bis in die späten 60er Jahre (in der DDR bis in die 50er) strafrechtlich geahndet. Inzwischen ist es selbstverständlich, dass sich Prominente aus Kulturindustrie und Politik zu ihrer Homosexualität bekennen, teilweise wird diese vermeintliche Abweichung sogar marketingstrategisch ausgeschlachtet, um gerade unter jüngeren Zielgruppen die Beliebtheit des Geouteten zu steigern. Es ist an dieser Stelle allerdings darauf zu beharren, dass in einer häufig als „offen“ beschworen bürgerlichen Gesellschaft die sexuelle Orientierung in erster Linie Privatsache ist und nicht als bloßer Marketinggag für „schräge“ Sonderlinge, die durch ihren „widernatürlichen“ Nonkonformismus irgendwie sympathisch daherkommen, gelten sollte. Auch soll diese Liberalisierung nicht darüber hinwegtauschen, dass es selbst in den vermeintlich emanzipierten Ländern noch alltäglich zu Beleidigungen bis hin zur Gewalt gegen Homosexuelle und als solche Identifizierte kommt.
Weithin bekannt ist die Tatsache, dass sich in Deutschland und Europa bisher noch kein aktiver männlicher Fußballprofi geoutet hat. Statistiken legen einen Anteil von 5-10% Homo-und Bisexuellen nahe, doch selbst wenn der Anteil, wie einige spekulieren, im Profifußball geringer sein sollte, so ist er gewiss nicht zu vernachlässigen. Das verweist auf ein Klima der Angst, das die zweifelsohne vorhandenen Schwulen unter den Profikickern zu einem absurden Versteckspiel zwingt, bis hin zum buchstäblichen Doppelleben, mit Ehefrau und Kind wider Willen, ein Problem, dass in anderen gesellschaftlichen Bereichen weniger ausgeprägt ist. So rät der ehemalige Vereinspräsident des FC St. Pauli, Corny Littmann, selbst Homosexueller: „Ich würde keinem Profi raten, sich zu outen. Der soziale Druck wäre nicht auszuhalten.“

Exkurs: Erste und zweite Natur

Wenn Homosexuellenfeinde übrigens auf den „natürlichen“ Reproduktionszweck der Sexualität verweisen, dann ist das eine allzu plumpe Rationalisierung der eigenen Dummheit. Bekanntlich hat sich der Mensch vom bloßen Dahinvegetieren im Naturzustand emanzipiert und sich kulturelle und soziale Strukturen geschaffen, die ihm als Zivilisation zur zweiten Natur geworden sind und zumindest im Ansatz (und vielerorts auch das nur äußerst begrenzt) ein Vorstellung von Glück vermitteln können. So dient die Sexualität den meisten Menschen nicht mehr vordergründig der Reproduktion, sondern in erster Linie dem Genuss und das ist, um es mit dem Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit zu sagen, auch gut so. Die Biologisierung gesellschaftlicher Verhältnisse, wie sie von homophoben Strömungen vorangetrieben wird, führt hingegen zwangsläufig zu Stigmatisierung und Verfolgung der dann als „krank“ und „abweichend“ Gebrandmarkten. Apropos krank: die Weltgesundheitsorganisation strich erst 1990 Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten.

Fußball und Männerbund

Noch immer wird Fußball als klassischer Männersport betrachtet. Attribute, wie Kampfgeist, körperliche Stärke, Durchsetzungsvermögen und berechnende Taktik werden als klassisch männlich identifiziert. Wer sich der harten Macho-Attitüde verwehrt und Schwäche zeigt, erweckt schnell Misstrauen bei Spielern und Fans. Diese Zuweisungen unterliegen jedoch starker Willkür und sind gesellschaftlich konstruiert, wie sich leicht zeigen lässt. So ist es in den Vereinigten Staaten interessanterweise genau umgekehrt: Dort gilt „Soccer“ als Frauensport, während die „harten Männer“ American Football spielen. Auffällig ist das ambivalente Verhältnis zur allgemein glorifizierten Männlichkeit und Heterosexualität: So zeigt die innige Beziehung der Mitspieler unter einander durchaus homoerotische Züge und lässt sich psychologisch als Kompensation verdrängter gesellschaftlich sanktionierter Wünsche deuten. Wenn sich die Spieler beim Torjubel in den Armen liegen, sich herzen, tätscheln und des Trikots entledigen, so wird im Allgemeinen die sexuelle Dimension in der gesellschaftlichen Wahrnehmung ausbootet. Umso befremdlicher erscheint da ein offen sich outender schwuler Spieler, der die Illusion vom desexualisierten Männerbund zerstören könnte, auch im Breitensport. Analoge Betrachtungen gelten ebenfalls für die Fans und Zuschauer, trotz des glücklicherweise drastisch gestiegenen Frauenanteils. So ist es keine Seltenheit, dass sich in der Kurve „gestandene Männer“ umarmen, die in ihrer Freizeit derlei Anstalten entschieden zurückwiesen, denn sie seien ja selbstverständlich „nicht schwul“. Der Hass auf Homosexuelle enthält aus dieser Perspektive immer auch eine Spur Selbsthass.
Nicht zuletzt von Fangruppen, die sich der Ultrákultur verschrieben haben, wird häufig gleichermaßen ein Ideal der Männlichkeit vorgelebt, das sich dann neben militärischem Auftreten und strengen Organisationsstrukturen beispielsweise in körperlichen Auseinandersetzungen manifestiert, die angeblich „dazu gehören“, auch hier ist also der Begriff des Männerbundes trotz positiver Entwicklungen noch immer nicht fehl am Platz. Im Frauenfußball, dessen Rezeption sich hauptsächlich auf große Turniere der Nationalmannschaft beschränkt, sind die Verhältnisse dann geradezu umgekehrt: die Spielerinnen gelten fast ausnahmslos als „Mannsweiber“ und „Kampflesben“, wobei auch hier die Empirie gegenüber dem Vorurteil eine untergeordnete Rolle spielt und vermeintliche und tatsächliche Homosexualität in aller Regel mit einem verächtlichen Ton bedacht werden.

Land in Sicht?

Es soll jedoch nicht verschwiegen werden, dass sich in den letzten Jahren auch im Fußball Einiges getan hat. Der verbreiteten Homophobie im Fußball wurde eine beachtliche mediale Aufmerksamkeit zuteil und die meisten Faninitiativen gegen Diskriminierung nahmen sie in ihr Programm auf. Selbst Theo Zwanziger zeigte sich deutlich weitsichtiger als Oliver Bierhoff und bot sogar im Namen des DFB homosexuellen Spielern Unterstützung bei einem möglichen Outing an. Bei vielen größeren Vereinen gründeten sich überdies schwul-lesbische Fanclubs, wie die Hertha-Junxx und Queerpass Bayern. Auch Spieler äußerten sich reflektierter. So meinte Philipp Lahm „Wenn ein Spieler schwul ist, ist er trotzdem mein Mannschaftskollege, und für mich würde sich im Umgang mit ihm nichts ändern. Ich registriere das nicht, für mich geht es darum, welche Ansichten jemand hat und ob er sich vernünftig verhält. Ich lebe gerne in einer liberalen, offenen Gesellschaft, in der ein tolerantes Miteinander ohne diskriminierende Vorurteile möglich ist.“ Es wäre wünschenswert, wenn möglichst viele weitere Fans und Spieler diese Selbstverständlichkeit aussprächen und dem Hass auf Homosexuelle eine klare Absage erteilten, insbesondere wenn dieser offen artikuliert wird.

Zum Weiterlesen:

Fußballfans gegen Homophobie.

Tanja Walther: Kick it out. Homophobie im Fußball.

Ronny Blaschke: Versteckspieler. Die Geschichte des schwulen Fußballers Marcus Urban.

Lizas Welt: Football’s coming out.

Zeit: Bierhoff und die ewig gestrigen Schlagzeilen über schwule Fußballer.

Wenn ich mich an meine eigene Schulzeit zurück erinnere, und eine Rangliste der positivsten Erlebnisse zusammen stellen müsste, dann belegen wohl spontan die Ferien mehr als die Hälfte der Top-Ten-Plätze. Wenn ich aber genauer darüber nachdenke, habe ich diese Zeiten eigentlich “nur” damit verbracht, Freunde zu treffen, Fernsehen zu schauen, zu schlafen oder zu Essen, Sonne zu tanken oder einfach zu Entspannen. Das ist auch vollkommen legitim, schließlich sind es Ferien: da geht es auch einfach mal darum, nichts zu tun, die persönliche Entschleunigung zu unterstützen und neue Kraft zu sammeln. Aber lassen sich Freizeit und Entspannung nicht auch mit ertragreichen Erlebnissen und Erfahrungen in Verbindung bringen? Ohne dabei gleich wieder ein schulisches “Unterrichts-Flair” herauf zu beschwören?

Genau das haben sich auch die Mitarbeiter des Fanprojektes Jena, die Horda Azzuro und die Hintertorperspektive am Ende des Jahres 2011 gefragt. Udo Lindenberg und seine Freunde hatten gerade mit dem Konzert “Rock’n’ Roll-Arena Jena – Für die bunte Republik Deutschland” ein zwar leider sehr inhaltsarmes und nicht gerade nachhaltiges Zeichen gegen Rechtsextremismus gesetzt, dadurch aber zumindest eine gewisse finanzielle Unterstützung für diverse Initiativen und Vereine in Jena aufgebracht. Wir haben uns Gedanken gemacht und dazu entschieden, das uns zugewiesene Geld dem Anlass entsprechend zu verwenden.

Relativ schnell ist dabei die Idee der Blau-Gelb-Weißen Osterferien entstanden, die im folgenden zu einem Projekt herangewachsen ist und uns schließlich auch einiges an Planung abverlangt hat. Die Wochen der Vorbereitung waren vor allem von einer Unsicherheit geprägt: Wie würde das ganze bei potentiellen Teilnehmern ankommen? Würde überhaupt jemand mitmachen wollen?

Die Sorge war jedoch vollkommen unangebracht. Am Montag der ersten Ferienwoche haben wir über 20 Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren im Fanprojekt Jena begrüßen können. Dabei haben die Mitarbeiter des Fanprojektes sowie Mitglieder der Horda Azzuro und der Hintertorperspektive die organisatorischen und betreuenden Aufgaben übernommen.

Zunächst ging es darum, die Stimmung etwas aufzulockern, damit sich die Teilnehmer sowie Verantwortlichen besser kennen lernen. Schnell hat sich herausgestellt, dass alle die Liebe zum FC Carl Zeiss Jena verbindet, egal ob sie schon seit den ruhmreichen 70er Jahren oder erst seit den qualvollen Erlebnissen der letzten Monate besteht. Gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen haben wir den Plan für die Woche gestaltet, die wie der Montag im Fluge vergehen sollte: Mit Kickertischen, einer X-Box, einer Tisch-Tennis Platte, gemeinsamem Mittagessen, ein Vortrag von Fan-Projekt Leiter Matthias Stein zur Geschichte des FC Carl Zeiss Jena, das Gestalten von Doppelhaltern und Fahnen sowie natürlich Fußball spielen und ein kurzer Trainingsbesuch bei der 1. Mannschaft.

Mit den Tagen wurde die Stimmung untereinander immer freundschaftlicher. Dazu sei gesagt, dass wir jeden Morgen gegen 9 Uhr mit einem gemeinsamen Frühstück in den Tag gestartet sind, den wir mindestens bis 16 Uhr gemeinsam verbracht haben, bevor die Teilnehmer von ihren Eltern wieder abgeholt wurden oder selbstständig zurück nach Saalfeld, Apolda oder Weimar gereist sind. Thüringen ist Blau-Gelb-Weiß!

Am Dienstag ging es in einem ersten kreativen Part darum, sich dem Themen “Vorurteile und Diskriminierung” anzunähern und Verbindungen zum alltäglich Erlebten herzustellen. Dabei ist deutlich geworden, dass wir alle immer wieder entsprechende von Ausgrenzungen und Klischees geprägte Erfahrungen machen. Im zweiten Teil haben wir verschiedene Diskriminierungen im Fußball sowie die Einflussnahme von Rechtsextremisten thematisiert. Dabei haben wir versucht, mit den Teilnehmern auch Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten, die jeder selbst umsetzen kann. Im weiteren Wochenverlauf hat sich bei vielen Teilnehmern eine gesteigerte Sensibilität gegenüber der Thematik gezeigt, auch wenn man dazu sagen muss, dass die breite Altersspanne eine intensivere Auseinandersetzung verhindert hat.

Zwischen diesen inhaltlichen Parts – und dem stets köstlichen Mittagessen – war auch Zeit für die legendäre Stadionführung von Mannschaftsleiter Uwe Dern: Von den Mannschaftskabinen und Massagebänken über das Ruhebecken und einem legendären Gruppenbild in der Sauna, bis hin zu Eindrücken vom heiligen Rasen wurde uns alles geboten. Zum Abschluss gab es noch eine spaßige Pressekonferenz, in der die Kinder und Jugendlichen in die Rollen von Pressesprecher „Traudel“ bzw. von Trainer Petrik Sander schlüpfen konnten. Zum Ausklang des zweiten Tages haben einige Fußball gespielt, während der Rest die 1. Mannschaft dabei beobachtet hat, wie sie bei ihren Trainingseinheiten versuchte, mit unserem spielerischen Niveau mitzuhalten.

Am Mittwoch kamen weitere Interessierte hinzu, so dass wir mit knapp über 30 Personen in Richtung Kulturstadt Weimar starten konnten. Während die Jüngeren mit drei Betreuern direkt in Weimar geblieben sind, sind die Anderen mit dem Bus zur Gedenkstätte Buchenwald aufgebrochen. Für viele war dies der erste Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers. Eine begleitete Führung und intensive Gespräche haben den Rahmen für dieses emotionale und nachhaltige Erlebnis gebildet. Einige Jugendliche hatten sich bereits vorher sehr intensiv mit der Zeit des Nationalsozialismus und dem Holocaust auseinandergesetzt, so dass eine für alle ertragreiche Diskussion auf Augenhöhe stattfinden konnte. Die andere Gruppe besuchte das Weimarhaus, welches eine leider kurze aber dafür anschauliche Darstellung der Geschichte Weimars geboten hat. Im Anschluss haben wir die übrige Zeit mit einem Air-Hockey-Turnier verbracht, bevor sich beiden Gruppen zum Mittagessen wieder getroffen haben und danach zurück nach Jena gefahren sind.

Der folgende Tag sollte mit einem Austausch über die Erlebnisse des Vortages beginnen. Dazu sollten Kleingruppen mit Hilfe von Bildern oder Texten den Ausflug nach Weimar und das dabei persönlich Wahrgenommene vor den anderen präsentieren. Gespannte Ruhe, emotionale Erzählungen, detailgetreue Zeichnungen und viele Nachfragen haben für eine abschließende und gelungene Reflexion gesorgt, wobei auch Bezüge zwischen alltäglicher Ausgrenzung, Diskriminierung und den Schrecken des Holocaust hergestellt wurden. Im Anschluss folgte ein letzter Trainingsbesuch, außerdem ein gemeinsames Foto mit der Mannschaft, sowie die Möglichkeit Autogramme zu sammeln.

Ein finaler Höhepunkt der Blau-Gelb-Weißen Osterferien war schließlich das gemeinsame Anschauen des Films „10 Jahre Horda Azzuro“. Gespannt haben die Kinder und Jugendlichen die Entwicklung der Fanszene in Jena verfolgt, um sich im Anschluss mit uns darüber auszutauschen.

Das abschließende gemeinsame Braten und eine kleine Auswertung der Woche haben
Schließlich gezeigt, dass eine Gruppe zusammen gewachsen war, viele neue Erfahrungen gemacht werden konnten und der Wunsch besteht, die Sache schnellstmöglich zu wiederholen.

Zum krönenden Abschluss haben wir am Samstag alle noch das Heimspiel gegen Osnabrück, besucht – und 2:0 gewonnen! Auch wenn dieser Erfolg wohl kaum noch etwas am bevorstehenden Abstieg in die Regionalliga ändern wird, so kann man doch festhalten, dass die Fanszene des FC Carl Zeiss Jena etwas besonderes ist. Und, dass es immer wieder neue kreative junge Fans geben wird, die diesen Verein unabhängig von der Ligazugehörigkeit lieben und prägen werden.

An dieser Stelle können leider noch nicht versprechen, ob es eine Wiederholung dieser rundum gelungenen Aktion geben können wird – das hängt nicht zuletzt von der Finanzierung ab. Wir können aber sagen, dass wir mit der Premiere absolut zufrieden sind. Wenn auch bei euch jetzt das Interesse geweckt wurde oder ihr mögliche Aufgeschlossene kennen solltet, die Lust auf eine Fortsetzung der blaub-gelb-weißen Osterferien haben, solltet ihr unbedingt weiter Augen und Ohren offen halten!

Philipp
im Namen des Fan Projektes, der Horda Azzuro und der Hintertorperspektive

Interview mit uns

March 2nd, 2012

Die Oldenburger Faninitiative „VfB für alle“ führte dankenswerter Weise ein ausführliches Interview mit uns.

In Zusammenarbeit mit dem Fanprojekt und der Horda Azzuro planen wir für die anstehenden Osterferien (2.4.-5.4.) etwas ganz Besonderes. Zielgruppe einer liebevoll gestalteten Ferienwoche mit dem FCC und dessen aktiven Fans, die neben einem Eindruck in den Alltag letzterer auch mit dem einen oder anderen Blick über den Tellerand aufwartet, sind Jugendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren. Alle weiteren Informationen sind den beiden angefügten Flyern zu entnehmen.

2012 bleibt das Flutlicht aus

January 19th, 2012

Liebe Leute,

wenn wir auf die letzten vier Ausgaben des Flutlicht-Festivals zurückblicken, dann können wir nicht anders, als uns und euch auf die Schulter zu klopfen: Was 2008 als kleines Fest begonnen hat, organisiert mit mehr gutem Willen als echtem Sachverstand, ist über die Jahre zu einem tollen Festival mit allem drum und dran gewachsen. Dafür wollen wir uns bei euch allen bedanken: Bei all den Helfern und Unterstützern, die vier tolle Flutlicht Festivals möglich gemacht haben, bei Bands und Rednern auf der Bühne und natürlich bei allen Gästen, die seit 2008 ihren Weg ins Paradies gefunden haben.

flutlicht_dankeNeben all den positiven Erlebnissen müssen wir aber auch feststellen, dass die Organisation des Flutlichts immer mehr von unseren Kräften fordert. Auch wenn es uns schwer fällt: 2012 wird es das Fluticht Festival wie wir es kennen nicht geben. Stattdessen werden wir uns als Hintertorperspektive wieder verstärkt unserer Arbeit als Verein für integrative Arbeit widmen und andere, neue Projekte an den Start bringen.

Ihr sollt im Sommer aber keineswegs alleine bleiben: In diesen Tagen basteln wir an einer neuen Veranstaltungidee – etwas kleiner als das Flutlicht, aber mindestens genauso toll. Lasst euch überraschen und schaut immer mal wieder hier vorbei! In der Zwischenzeit bitten wir insbesondere alle interessierten Bands von Bewerbungen vorerst Abstand zu nehmen, und verbleiben mit besten Grüßen,

eure Hintertorperspektive

„Ein deutliches Zeichen gegen Rechts“ habe Jena mit dem Konzert am vergangenen Freitag gesetzt, schreiben die Zeitungen an diesem Wochenende – mehr als 50.000 Menschen hätten gezeigt, „dass in Jena kein Platz für Nazis“ sei. Unser Eindruck: Statt sich mit dem Problem rechtsradikaler Auswüchse in unserer Gesellschaft ernsthaft auseinanderzusetzen wurde bestenfalls versucht, Probleme wegzuapplaudieren.

Die Veranstaltung geriet zum harmlosen Volksfest für all jene, denen es nach der jüngsten öffentlichen Berichterstattung und der Rolle Jenas darin, darum ging, das Image der Stadt wieder aufzuwerten und gekränkte Gemüter zu beruhigen. Die pauschale mediale öffentliche Verurteilung Jenas als „Wiege des braunen Terrors“ wird beantwortet mit ebenso pauschalem und ignorantem Abwiegeln: „Alles Quatsch, Jena ist gut, hier gibt es keine Nazis“.

Rock-gegen-Rechts-FlyerTrotz der Anwesenheit einiger engagierter Initiativen im Kampf gegen Rechts, wie beispielsweise der Amadeu- Antonio-Stiftung,  schien die wenigsten Besucher zu interessieren, was diese zu sagen haben. Ihre Infostände wurden abseits im Dunkeln positioniert, Infomaterial durfte aus Umweltschutzgründen (!) nicht verteilt werden. Unser gesamtes Statement gibt es deshalb online hier.

Gegen Nazis helfen keine Lippenbekenntnisse – wer was ändern will, der muss anpacken!

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